Barrierefreiheit

Wie barrierefrei ist Niederaichbach?

Ortsbegehung des SPD Ortsvereins

Die Barrierefreiheit der Lebensumwelt im Niederaichbacher Ortskern und an einigen Stellen von öffentlichem Interesse zu untersuchen war kürzlich auf Initiative des SPD-Ortsvereins Anlass für eine 2-stündige Ortsbegehung.

 

Gemeinsam mit zwei Niederaichbacher Rollstuhlfahrern und einem gehbehinderten Mitbürger, sowie Bürgermeister Josef Klaus, wurde zunächst das Rathaus begutachtet. Beim Bau des Rathauses wurde zwar bereits auf Barrierefreiheit geachtet, indem ein Aufzug und eine Behindertentoilette eingebaut wurde, jedoch ist es für Rollstuhlfahrer, aber auch für ältere Mitbürger mit Rollatoren oder Mütter mit Kinderwägen fast nicht möglich das Rathaus durch die schwere Eingangstür zu betreten. Am Eingang befindet sich zwar eine Glocke, die bei Bedarf Hilfe bietet, jedoch betonen die beiden Betroffenen, dass es den Mitbürgern mit Behinderung wichtig sei, sich weitestgehenst selbständig zu bewegen. Es gäbe so viele Situationen, in denen man wirklich Hilfe brauche, so dass das Öffnen einer Tür und das Betreten eines öffentlichen Gebäudes keine Einschränkung der Selbständigkeit darstellen dürfe.

 

Nächste Anlaufstelle der Begehung war die Geschäftsstrasse parallel zur Kreisstraße. Das Kopfsteinpflaster ist für Rollstuhlfahrer und gehbehinderte Menschen eine Herausforderung. Die kleinen Vorderräder von Rollstühlen können sich durch die Rillen des Pflasters querstellen und blockieren, was bei zusätzlich abschüssigen Wegen, wie z.B. bei den existierenden Rampen in diesem Bereich, eine echte Gefahr für Rollstuhlfahrer darstellt. Außerdem bieten sie extreme Stolperfallen für Mitmenschen mit Gehbehinderung. Die Betroffenen wünschten sich eine Angleichung des Straßenbelags an die gegenüberliegende Straßenseite, die bereits bei der Neugestaltung mit großflächigem und ebenem Pflaster gestaltet wurde.

 

Bereits umgesetzt wurde die Möglichkeit des barrierefreien Einstiegs in Busse an den Bushaltestellen im Ortskern durch die erhöhten Bordsteine. Desweiteren wurde darauf geachtet, dass bei der Neugestaltung des Ortskerns weitere hohe Bordsteine vermieden wurden.

Weiteres Thema war die mangelnde Barrierefreiheit an der Grund- und Mittelschule in Niederaichbach. Durch die verschiedenen Erweiterungsbauten entstanden unterschiedliche Ebenen, die immer mit Stufen und Treppen verbunden sind. Einem auf den Rollstuhl angewiesenen Schüler ist es so nicht möglich alle Fachräume der Schule zu erreichen. In Zeiten, in denen an Schulen die Inklusion vorangetrieben wird, muss bei einer künftigen baulichen Erweiterung dieses Problem schnellst möglich behoben werden. Das betonte auch die beteiligte Schülerin, die durch einen Autounfall seit dem Babyalter auf den Rollstuhl angewiesen ist. “Es ist nicht schön, wenn man immer umhergetragen werden muss und auf fremde Hilfe angewiesen ist! Auch als Kind möchte man sich so weit es geht selbständig bewegen.”

 

Bei dem Rundgang besuchte man auch die Toilette in der neuen Aussegnungshalle auf dem Friedhof, die erfreulicherweise behindertengerecht ausgestattet wurde. Leider fehlt die nötige hinweisende Beschilderung an der Toilette selber und auch bereits im Ortskern. Desweiteren war es dem anwesenden sportlichen Rollstuhlfahrer nicht möglich die Toilettentüre zu öffnen. Auch ältere Mitbürger unter anderem mit Rollatoren dürften sich schwer tun diese Toilette zu betreten.

 

Schließlich wurde auch festgestellt, dass Rollstuhlfahrer in Niederaichbach keine Möglichkeit haben Essen gehen zu können. Jedes der drei Lokale hat nicht überwindbare Stufen und Treppen. “Es wäre schön, wenn ich mir auch in Niederaichbach ein Eis kaufen könnte.”, so die Schülerin. Man war sich einig, dass die Hausbesitzer der Geschäfte und der Gebäude von öffentlichem Interesse auf dieses Problem aufmerksam gemacht werden sollten und sie von der Dringlichkeit eines barrierefreien Zugangs überzeugt werden müssen.

Am Ende der Begehung äußerte der beteiligte Rollstuhlfahrer, der im Sommer wie im Winter mit seinem Hund unterwegs ist, den Wunsch, dass im Winter der sowieso sehr schmale Gehweg an der Brücke über den Mühlbach an der Kreuzung Isarstraße/Neumühlstraße immer geräumt werde. Nach der Räumung der Kreisstraße, läge auf dem Gehsteig immer so viel Schnee, dass es für einen Rollstuhl zu schmal werde um darauf zu fahren. Es bleibe in solchen Fällen nur die Möglichkeit auf die stark befahrene Kreisstraße auszuweichen.

Die Teilnehmer waren sich im Anschluss an den Rundgang einig, dass es eine interessante Erfahrung war, mit betroffenen Mitbürgern die Barrierefreitheit von Niederaichbach zu testen, da man als “Fußgänger” viele Hindernisse nicht als solche erkennt.  In vielen Fällen würde es mit wenig Aufwand gelingen ein Hindernis zu beseitigen und somit vielen Mitbürgern ein selbständigeres Leben zu ermöglichen. Die anwesenden SPD-Gemeinderäte bedankten sich bei den drei Betroffenen, dass sie sich die Zeit genommen haben und haben zu verstehen gegeben, dass sie die einzelnen Punkte verfolgen werden um Niederaichbacher noch barrierefreier zu machen.

 
 

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